Vogelkunde - Als die Vögel ihre Zähne verloren......

Vogelkunde - Als die Vögel ihre Zähne verloren......

............und Tauben in der Speiseröhre begannen, Milch zu produzieren; die Geschichte der Entwicklung eines Kropfes bei unseren Vögeln ist interessant und vielschichtig.

Wir kennen die Redewendung "überflüssig sein wie ein Kropf", die ihre Erklärung in einer krankhaften, erheblichen Verdickung der Schilddrüse beim Menschen findet, was vor allen Dingen früher mehr als Schönheitsmakel als ein Krankheitsanzeichen galt. Diese dennoch krankhafte Erscheinung trat vor allen Dingen in den meeresfernen Gebirgslagen aus Gründen des dort herrschenden Jodmangels auf - zum Beispiel im Schwarzwald.

Jene verständliche "Überflüssigkeit" am menschlichen Körper übersetzt der Engländer deutlicher und respektloser mit "to be as useful as a hole in the head" - so nützlich sein wie ein Loch im Kopf......

Chinesische archäologisch arbeitende Forscher behaupten, dass unsere Vögel vor 120 Millionen Jahren ihre Zähne "verloren haben" - selbstverständlich im Rahmen einer unendlich langen Zeit der Evolution - und dass dieser Vorgang mit der Möglichkeit einherging, sich nicht nur mehr von Fleisch und Früchten, sondern auch interessanterweise von Samen und Körnern zu ernähren. Dies alles sei auch nur vor dem Hintergrund des damaligen dramatischen Erdgeschehens zu verstehen - z. B. Meteoriteneinschläge als besonders stark verändernde Eingriffe in alles Leben - so die Wissenschaft.

Der Kropf bei unseren Vögeln bildet eine sack- oder schlauchähnliche Ausdehnung ihrer Speiseröhre, die als Nahrungsspeicher dient. Diese praktische Einrichtung hilft, ein nur in kurzer Zeit reichlich verfügbares Nahrungsangebot zu nutzen sowie Jungvögeln zur Atzung eventuell auch vorgeweichtes Futter verabreichen zu können. Da Vögel Körner nicht im Mund zerkleinern, diese höchstens durch den Schnabel aus Horn gequetscht werden können, wandert die Nahrung über das "Zwischenlager" Kropf dosiert in den Muskelmagen, wo sie mit Hilfe von aufgenommenen Steinchen, dem sogenannten Gritt, zur Aufnahme durch die Därme aufbereitet wird.

Ein Kropf erscheint besonders bei Fischfressern wie dem Graureiher und dem Pelikan sowie Fleischfressern wie bei den Geiern ausgeprägt, und speziell bei allen Körnerfressern.

Bei Tauben kann ein Teil eines Luftsackes im Halsbereich zur Balzzeit aufgeblasen werden - diese Erscheinung nennt man Balzkropf und ist beim erregten Täuber deutlich zu erkennen.

Während der Aufzucht ihrer Jungen produzieren Tauben im Kropf eine "Milch", die aus nährstoffreichen Zellen der Kropfinnenwand besteht, die abgestoßen und als fettiges Sekret sowie an Milch erinnernde breiige Masse an die Jungen verfüttert wird. Bei diesem Vorgang verschwindet der Kopf des Jungvogels praktisch im Hals des Altvogels, was uns immer wieder Gelegenheit gibt, interessante Beobachtungen eines "fürsorglichen Verhaltens" bei der Jungenaufzucht zu machen.

Fotos ( Jürgensen ) : Landeanflug einer Ringeltaube

Holger Jürgensen