Mai/Juni 2018: Brutbericht über die Möweninsel im Sibbersdorfer See

Die einen halben Hektar messende Insel zeigte bereits zur Zeit der jährlichen Pflegemaßnahme im Frühjahr 2018 erhebliche Uferabbrüche, die auf winterliche Hochwasser- und Eisgang-Einflüsse zurückzuführen sind. Dessen ungeachtet konnte die Vogelwelt in diesem Jahr witterungsbedingt erst nach dem 24. März die Insel "beziehen". ZUM BERICHT

Vogelkunde - Ruf- und Gesangsimitationen der Vögel

Vogelkunde - Ruf- und Gesangsimitationen der Vögel

Während der Jungenaufzucht lernen die Nestlinge den Gesang und die Rufe der Altvögel, obwohl in ihrer nahen Umgebung so viele weitere Vogellaute anderer Arten zu vernehmen sind. Theoretisch könnte jeder lernfähige Jungvogel alles, was in seiner Nähe akustisch geboten wird, in sein späteres Repertoire übernehmen.

Zu diesem Thema wurden etliche wissenschaftliche Studien durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass fast alle Vogelarten über eine Art Gehör-Filter verfügen, der das Erlernen des arteigenen Gesangs ermöglicht, während die akustischen Eindrücke anderer Arten ausgeschlossen bleiben. So kommt es, dass die meisten Geflügelten ausschließlich den arteigenen Gesang erlernen, bei manchen als vererbtes und starres Muster. Es ergibt sich ja auch keine Notwendigkeit, mit artfremden Individuen zu kommunizieren oder gar ihren Gesang in ihr Repertoire zu übernehmen - mit Ausnahmen.

Das Nachahmen von Lautäußerungen nennt man imitieren, und in der Vogelwelt versuchen viele Arten im erwachsenen Alter, Stimmen und Geräusche ihrer Umwelt zu imitieren. Zu den ausgesprochen sprachbegabten Vögeln zählt auch unser Star. Es ist erstaunlich, wie täuschend echt ein Star eine andere Vogelart nachahmen kann. Dann bleiben auch geübte Vogelkenner stehen und lauschen - zwitschernde und pfeifende Töne deuten immer auf diese Vogelart - dazu sogar der Ruf des Mäusebussards. Eine Hypothese besagt, dass die natürliche Selektion sich in die Richtung eines größeren sprachlichen Repertoires hin entwickelt hat. So konnten Untersuchungen zeigen, dass "Imitationskünstler" in der Vogelwelt offenbar ihre Attraktivität gegenüber einem zu erobernden Weibchen steigern konnten.

Einen Sänger mit einem komplexen "Vortrag" ist unser Sumpfrohrsänger, der in der Lage ist, 212 unterschiedliche Gesänge und Rufe zu imitieren - darunter stammen 113 aus seinem afrikanischen Winterquartier. Es soll Vogelkundler geben, die anhand dieser heimatlichen Gesänge bestimmen können, in welchem Bereich Afrikas der Vogel seine Auszeit nahm. Dabei ist es nicht einmal sicher, ob der Sumpfrohrsänger überhaupt eigene Gesangsanteile hat oder ob das gesamte Repertoire aus Imitationen anderer Arten besteht.

Vor rund 350 Jahren brachten spanische Seefahrer einige Kanarienvögel mit in ihre Heimat. Die Tiere erregten wegen ihres prächtigen Gesangs großes Aufsehen - wer es sich leisten konnte, kaufte sich alsbald einen solchen gefiederten Sänger. Nun konnte sich nicht jeder den Kaufpreis leisten, verständlicherweise wurden die Schönlinge auch nicht sehr alt, und nur jeder zehnte Jungvogel brachte es zu einem gewünschten Sänger. Diese Mode war also ziemlich teuer, und so hielt man sich als Ersatz einheimische Singvögel. Das hatte zur Folge, dass zwei neue Berufe entstanden : Der Vogelfänger und der Vogelhändler, die beide bekanntlich sogar in Oper und Operette Einzug hielten.

Einheimische Vögel sangen aber nicht so gut wie die Kanaren. Ein findiger Kopf kam auf die Idee, mit einer Blockflöte Stubenvögeln wie Amsel, Stieglitz und Star Melodien vorzuspielen, die letztendlich auch imitiert wurden. Diese Art war wohl recht umständlich, und so ersann man, einen leicht zu bedienenden Leierkasten in en miniature zu bauen, der allen Bauteilen der typischen Drehgorgel auf den Berliner Hinterhöfen entsprach - mit hoch gestimmten Pfeifen. Damit war die Vogelorgel erfunden und zwar in Paris; so nannte man das Instrument, das die Gesangesfreude gefangener Kleinvögel erhöhen sollte, "Serinette" - nach Serinus, der wissenschaftlichen Bezeichnung für unseren Zeisig.

Das Deutsche Museum in München zeigt in seiner Ausstellung zwei seiner fünf Serinetten, beide mit je sieben Liedern auf der Walze - in Sopran und Alt !

Foto ( Uwe Grau, Langenhagen ) : Männlicher Star in Gesangspositur

Holger Jürgensen

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