Mai/Juni 2018: Brutbericht über die Möweninsel im Sibbersdorfer See

Die einen halben Hektar messende Insel zeigte bereits zur Zeit der jährlichen Pflegemaßnahme im Frühjahr 2018 erhebliche Uferabbrüche, die auf winterliche Hochwasser- und Eisgang-Einflüsse zurückzuführen sind. Dessen ungeachtet konnte die Vogelwelt in diesem Jahr witterungsbedingt erst nach dem 24. März die Insel "beziehen". ZUM BERICHT

Vogelkunde - "... ich habe einen Vogel gefunden!" Was tun? Fragen Sie den Fachmann!

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Wenn man einen eventuell verletzten oder sich anderweitig auffällig zeigenden Vogel vor sich sitzen oder liegen hat, sei es passiv nach einer Kollision mit einem Fahrzeug oder aktiv durch einen Scheibenanflug lädiert, sollte man umgehend fachliche Hilfe in Anspruch nehmen. Tierärzte mit ihren speziellen Kenntnissen wären so eine Anlaufstation, die in der Regel Vögel aus der Natur kostenfrei behandeln werden.

Weil das Skelett der Vögel sehr leicht, seine Knochen vielfach hohl und zart sind, würde der aufgenommene Vogel durch eine zu grobe Behandlung zusätzlich leiden; dazu kommt in der Regel ein sehr hoher Stress, an dem er sehr schnell zugrunde gehen kann. Daher sollte man das Tier mit sauberen Handschuhen oder unter Zurhilfenahme eines Tuches ergreifen. Dabei umfasst man den Vogel über die angelegten Flügel vorsichtig - aber bestimmt - und nicht zögerlich ängstlich. Zu seinem Transportieren eignet sich am besten ein der Vogelgröße angepasster Karton mit einer Bodenauslage aus Zeitungspapier und einem Deckel, in dem sich Luftlöcher befinden - nicht so gerne ein Käfig : Die Federn könnten durch die Gitterstäbe zusätzlich beschädigt werden, falls der Vogel erwartungsgemäß ängstlich flattert.

Wehrhafte Vogelarten wie Eulen und Taggreife sind mit scharfen Krallen und spitzen Schnäbeln ausgerüstet, die sie wegen des immensen ausgesetzten Stresses und der dadurch bedingten Angst zum eigenen Schutz einsetzen können. Solche Tiere sollten natürlich nur mit Leder-Handschuhen und immer von hinten ergriffen werden - falls sie nicht selber auf dem Rücken liegen und sich zu wehren versuchen. Nach unseren Erfahrungen hilft in solchen Fällen ein Stück Stoff in der Größe eines Handtuches, den man über den gesamten Vogelkörper legt, damit er sich beruhigt und so ungefährdet aufgenommen werden kann. Man beachte, dass Störche, Reiher und auch Kormorane sowohl einen langen Hals als auch einen spitzen oder scharfen Schnabel besitzen, der zu beachten ist. Bei der Versorgung verletzter Silber- oder Heringsmöwen ist erfahrungsgemäß das menschliche Auge das Ziel ihrer kräftigen Schnäbel. Ein Gummiband hält den Schnabel während eines notwendigen Transportes zumindest geschlossen - dennoch ist Vorsicht geboten.

Einem verletzten oder unter Schock stehenden Vogel darf man keineswegs etwas zur Nahrungsaufnahme reichen oder ihn gar "stopfen", weil der Stoffwechsel bei solchen Tieren verlangsamt ist und dadurch für zusätzlichen Stress sorgt. Auch Angebote von Wasser sind in der Regel aus den gleichen Gründen zu unterlassen.

Vögel, die gegen eine Fensterscheibe fliegen, verlieren meistens für einige Minuten das Bewusstsein; manchmal kann dieser Zustand auch ein bis zwei Stunden dauern. In einem solchen Fall ist es ratsam, den Patienten an einem warmen und trockenen Ort aufzubewahren, wo er vor Räubern wie Hauskatzen sicher ist. Wenn der Vogel wieder zu sich gekommen ist, kann er in die Freiheit entlassen werden.

Grundsätzlich sollte man wissen, dass die Entfernung von Tieren aus der Natur eine Straftat bedeutet. Vor allen Dingen bei Großvögeln und dem Jagdrecht zuzuordnenden Vogelarten kann es zu einer delikaten Angelegenheit werden. Daher sollte ein verletzter Findling umgehend und auf direktem Wege in fachlich kompetente Hände gebracht werden, damit aus rechtlicher Sicht nichts passieren kann.

In den meisten Fällen ist es nicht notwendig, Vögeln, die aus dem Nest gefallen und schon befiedert sind, in besonderer Weise zu helfen ! In der Regel befinden sich die Altvögel in ihrer Nähe und füttern ihren Nachwuchs auch außerhalb des Nestes. Ist der Vogel jedoch noch nackt oder trägt noch das Dunengefieder, kann man versuchen, ihn ins Nest zurück zu befördern.

Foto ( Archiv des Autors ) : Von Hand aufgezogener Haussperling

Holger Jürgensen

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