Mai/Juni 2018: Brutbericht über die Möweninsel im Sibbersdorfer See

Die einen halben Hektar messende Insel zeigte bereits zur Zeit der jährlichen Pflegemaßnahme im Frühjahr 2018 erhebliche Uferabbrüche, die auf winterliche Hochwasser- und Eisgang-Einflüsse zurückzuführen sind. Dessen ungeachtet konnte die Vogelwelt in diesem Jahr witterungsbedingt erst nach dem 24. März die Insel "beziehen". ZUM BERICHT

Vogelkunde - Auch das Betteln will gelernt sein

Vogelkunde - Auch das Betteln will gelernt sein

Menschenbabys weinen - oft sehr nachhaltig - wenn sie Hunger oder Durst verspüren. Vogelkinder rufen auch laut und kräftig, gleichfalls unfähig, sich selbst zu ernähren. Beide verbindet : Die akustische Aufforderung erfolgt, ohne Tränen zu vergießen .....

Junge Vögel haben bei Hunger keine andere Chance, als den Altvögeln durch Bettellaute und das Sperren - das "provokante" und fordernde Öffnen der Schnäbel - zu verstehen zu geben, dass diese gefälligst ihren Schnabel füllen sollen. Viele Vogelarten haben diesbezüglich ganz besondere Rufe entwickelt; außerdem sperren sie ihre meist farbigen Schnäbel weit auf. Dies löst bei den Eltern einen Fütterungstrieb aus, und diese versorgen ihren Nachwuchs in der Regel sehr engagiert und nachhaltig.

Wenn Alttiere mit Nahrung ans Nest zurückkehren, werden die Kleinen besonders lebhaft - und das anfangs, ohne etwas zu sehen, denn sie haben noch geschlossene Augen. Ein leichtes Rütteln am Nest reicht dann schon aus, um die Jungen zum Piepsen anzuregen. Sind die Eltern nicht am Nest, kann man auch die Jungen nicht wahrnehmen, denn sie verhalten sich nahezu geräuschlos, um keine Prädatoren ( Fressfeinde ) anzulocken.

Alle Nesthocker haben auffällig gezeichnete Schnabelränder sowie arttypisch unterschiedlich gefärbte Rachen, die, sobald der Schnabel aufgesperrt ist, kräftig auffallen. Die Rachenfarbe bei jungen Mönchsgrasmücken ist ein leuchtendes Rosa, beim Rotkehlchen ein kräftiges Gelb. Eine Untersuchung an Kanarienvögeln hat gezeigt, dass die Intensität dieser Färbung stark vom Fütterungsgrad abhängt. Wenn der Jungvogel zum Beispiel noch nicht ausreichend, also "unterernährt" ist, erscheint die Farbe intensiver, was die Altvögel zu einer stärkeren Fütterung anreizen soll.

Wenn ausreichende Nahrungsvorräte zur Verfügung stehen, werden alle Jungen im Nest gleichermaßen gefüttert. In einer gegensätzlichen Situation füttern die Altvögel bevorzugt den kräftigsten, weil dann lebhaftesten Jungvogel. Die biologische Erklärung liegt auf der Hand, da dieses Tier die größte Überlebenschance hat - aber woher "weiß" dies auch der Altvogel ? Unter Nachtgreifen ist es sogar üblich, das schwächste Jungtier zu töten und anschließend zu verspeisen; in den Horsten großer Taggreifvögel mit zwei Nachkommen - wie zum Beispiel beim Steinadler - wird der kräftigste in der Regel sein Mitgeschwister vom Futter und in der Folge aus dem Nest drängen - ein Vorgang, den die Wissenschaft "Kainismus" genannt hat.

Jungvögel benötigen für das Wachstum ausreichende Mengen Proteine. Daher suchen die Eltern der Sperlingsvögel - womit nicht nur Sperlinge, sondern alle Kleinvögel gemeint sind - nach eiweißreichen Insekten und deren Entwicklungsstadien. Es ist dabei schon erstaunlich, dass Bruten von Rauch- und Mehlschwalben sowie von Mauerseglern, die strenge Jäger nach Insekten sind und nicht wie andere Kleinvögel auch Früchte zum Einsatz kommen lassen können, sich in einer urbanen Welt wie Eutin oder Bad Malente-Gremsmühlen an mehreren Stellen erfolgreich ( ! ) vermehren können - oft in künstlichen Nisthilfen dank hilfreicher Hände.

Vor dem Hintergrund des Artenschwundes unserer Vogelwelt erscheint der zusätzliche Schwund an Insekten der letzten Jahrzehnte nach diesen Ausführungen in Teilen verständlich zu werden, zumal die sehr unterschiedlich bedingte Sterblichkeit junger Sperlingsvögel im ersten Lebensjahr 33 bis 70 vH und ihr Höchstalter sowieso nur das fünfte Lebensjahr erreicht - es ist längst fünf Minuten vor zwölf !

Foto ( Autor ) : Eutiner Rauchschwalben am REWE-Markt

Holger Jürgensen

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