Seit vielen Jahren erfreut Holger Jürgensen die Leserinnen und Leser des Ostholsteiner Anzeiger mit seiner ornithologischen Kollumne "Vogelkunde AKTUELL". Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen seiner neusten Beiträge über die spannende Welt der Vogelkunde.

Vogelkunde - Stehen auf einem Bein

Vogelkunde - Stehen auf einem Bein

Anlässlich einer unserer letzten vogelkundlichen Wanderungen machte uns ein jugendlicher Begleiter darauf aufmerksam, dass ein vor uns ruhender Vogel "nur noch über ein Bein verfüge", danach sogar nur auf diesem Bein hüpfen könne, um sich fortzubewegen. Andererseits sah das Tier normal und gesund aus, zeigte auch darüber hinaus keine weiteren Auffälligkeiten.

Eine Erklärung war schnell gefunden : Jeder von uns hat bestimmt schon einmal einen Storch oder einen anderen Stelzvogel beobachtet, wenn dieser ruht oder schläft und dabei auf einem Bein steht, während das zweite im Federkleid versteckt ist. Dieses Verhalten kann man am besten bei langbeinigen Vogelarten erkennen, ist jedoch nicht nur ihnen vorbehalten, denn sogar Singvögel stehen bei besonderen Anlässen nur auf einem Bein.

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Vogelkunde - Nationalpark Wattenmeer, Schlaraffenland aus Watt und Salzwiese

Vogelkunde - Nationalpark Wattenmeer, Schlaraffenland aus Watt und Salzwiese

Bei dem Versuch, sich dem Wort "Watt" sprachlich zu nähern, stoßen wir im Niederdeutschen auf "Stelle, die sich durchwaten lässt". Schleswig-Holsteiner als Bewohner eines Landes zwischen den Meeren kennen diese flache Gezeitenküste sehr gut, die täglich zweimal überflutet wird und dann wieder "trocken"-fällt. Was produziert eigentlich das Außendeichgebiet unserer mitteleuropäischen Westküste, dass dieser Naturraum so interessant und erhaltensnotwendig für unsere Vogelwelt ist - für jährlich 500.000 Brutvögel mit 25 Arten und zehn bis zwölf Millionen rastender und ziehender Geflügelter mit 75 Arten auf der Strecke zwischen den Niederlanden über Schleswig-Holstein bis an die Nordspitze Dänemarks ?

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Vogelkunde - Invasionen

Vogelkunde - Invasionen

Das Wort "Invasion" ist bei uns durch militärische Ereignisse besetzt, und in unserem Kopf setzt sich folgerichtig "Okkupation" fest. In der Vogelwelt stellt sich die Situation dankenswerterweise anders dar - nach ihrem plötzlichen Auftreten verschwinden sie dann auch wieder.

Bei einer größeren Anzahl von Vögeln verlassen mehr oder weniger, in unregelmäßigen und wenig vorhersehbaren Abständen, ganze Brutpopulationen ihre Heimat und erscheinen dann, oft sogar in großen Zahlen, in fremden Gebieten. Diese Vögel gelten als sogenannte Invasionsvögel. Ihre Erscheinung beginnt mit der Abwanderung aus der eigentlichen Heimat, das natürliche biologische Gründe hat - steigende Siedlungsdichte, sturmverdriftete oder sich in der Ausbreitung befindliche Vogelarten.

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Vogelkunde - Glockengeläut und Muezzin-Rufe zum Gebet

Vogelkunde - Glockengeläut und Muezzin-Rufe zum Gebet

Sonntägliches Glockengeläut aus der Ferne - ein fast sinnlicher Genuss in der von allen akustischen Ablenkungen befreiten Landschaft. In ihrer Nähe wird die kirchliche Aufforderung zur Teilnahme am Gottesdienst aber besonders deutlich und lautstark, was den Autor an einen Ausspruch des Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck in Erinnerung bringt : "Das Glockengeläut sei die Artillerie der Geistlichkeit".

Der Ornithologe beobachtet die Dohlen- und Straßentaubenschar, die beim ersten Glockenschlag aufschrickt, aber offenbar darin keine Gefahr erkennt und daher sehr schnell wieder ihre luftigen Plätze einnimmt. Dem Beobachter stellt sich jedoch die Frage, wie halten sie "diesen Krach" eigentlich aus. Unsere Mediziner erklären uns, dass lärmbedingte Hörschäden nicht heilbar sind, und daher meiden wir ( vernunftbegabten ) Menschen eine hohe Dauerbeschallung und hohe Schallpegelwerte. Gilt dies nicht auch für Vögel ?

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Vogelkunde - Kampfläufer, keine neue militärische Einheit

Vogelkunde - Kampfläufer, keine neue militärische Einheit

Dass sich 15 bis 25 Männchen des Kampfläufers auf einem Balz- oder Turnierplatz einfinden, um sich paarungswilligen Weibchen zu präsentieren, gehört in Schleswig-Holstein fast der Vergangenheit an. Meliorationsmaßnahmen der Moore und der feuchten Grünlandstandorte lassen diesen Watvogel nur noch ganz geringe Chancen zum Brüten, so dass auch der "Zweite Brutvogelatlas" für unser Bundesland in naher Zukunft kein Vorkommen mehr erwartet. Letzte, geringe Kampfläufervorkommen finden wir in Küstenregionen der Nordsee. Unsere Beobachtungen beziehen sich im Frühjahr und Herbst auf nordeuropäische Durchzügler, die - oft dann auch in bedeutenden Zahlen - zu ihren Brutgebieten in die Taigamoore und Tundren unterwegs sind oder von dort zurückfliegen.

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